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BilRuG

Das Bilanzrichtlinie-Umsetzungsgesetz (BilRuG) – Auswirkungen auf die Rechnungslegung

Das Bilanzrichtlinie-Umsetzungsgesetz (BilRuG) ist am 23.07.2015 in Kraft getreten und beinhaltet zahlreiche Neuerungen für den handelsrechtlichen Jahresabschluss. Die gesetzlichen Regelungen des BilRuG sind grundsätzlich erstmals für Geschäftsjahre anzuwenden, die nach dem 31.12.2015 beginnen, i. d. R. damit für den Jahresabschluss 2016.

Kernpunkte des BilRuG

Anpassung der Größenklassen i. S. d. § 267 HGB:

Die wichtigste Änderung des BilRuG besteht in der Anpassung (Anhebung) der Schwellenwerte des § 267 HGB für die Definition kleiner, mittelgroßer und großer Kapitalgesellschaften und diesen gleichgestellten Personenhandelsgesellschaften. Für kleine Gesellschaften wurden diese Schwellenwerte um rd. 25%, für mittelgroße Gesellschaften um rd. 4% angehoben. Insbesondere für deutlich mehr kleine Gesellschaften eröffnet sich hierdurch die Möglichkeit, damit einhergehende Erleichterungen bei der Aufstellung, Prüfung und Offenlegung von Jahresabschlüssen in Anspruch zu nehmen.

Die geänderten Schwellenwerte für den Jahresabschluss stellen sich wie folgt dar:

 

klein

mittelgroß

groß

alt

neu

alt

neu

alt

neu

Bilanzsumme

≤ 4,84 Mio. €

≤ 6,0 Mio. €

≤ 19,5 Mio. €

≤ 20,0 Mio. €

> 19,25 Mio. €

>  20,0 Mio. €

Umsatzerlöse

≤ 9,68 Mio. €

≤ 12,0 Mio. €

≤ 38,5 Mio. €

≤ 40,0 Mio. €

> 38,5 Mio. €

> 40,0 Mio. €

Mitarbeiter

≤ 50 Mitarbeiter

≤ 250 Mitarbeiter

> 250 Mitarbeiter

 

Abweichend zu den übrigen Neuregelungen des BilRuG, die erstmals für Jahresabschlüsse 2016 anzuwenden sind, dürfen die angehobenen Schwellenwerte, allerdings nur gemeinsam mit der neuen Definition der Umsatzerlöse des § 277 Abs. 1 HGB, vorgezogen und somit rückwirkend auf Jahresabschlüsse für Geschäftsjahre, die nach dem 31.12.2013 beginnen, in Anspruch genommen werden.

Neufassung der Definition der Umsatzerlöse:

Nach § 277 Abs. 1 HGB i. d. Fassung des BilRuG wird der Begriff der Umsatzerlöse deutlich weiter gefasst. Künftig gelten als Umsatzerlöse die Geschäftsvorfälle, die aus dem Verkauf und der Vermietung von Produkten sowie aus der Erbringung von Dienstleistungen resultieren. Hierdurch wird der unmittelbare Zusammenhang zwischen dem Begriff der Umsatzerlöse und dem Verkauf von für die gewöhnliche Geschäftstätigkeit typischen Waren und Erzeugnissen bzw. der Erbringung von typischen Dienstleistungen im Rahmen der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit aufgegeben.

Künftig sind unter den Umsatzerlösen u.a. zu subsumieren:

  • Erlöse aus dem Betreiben von Werkskantinen
  • Erlöse aus Miet- und Pachteinnahmen
  • Erlöse aus Konzernumlagen
  • Erlöse aus der Überlassung von Mitarbeitern oder Maschinen an Dritte
  • Erlöse aus Schrottverkäufen

Hierbei ist zu beachten, dass die Umsatzerlöse einerseits in die Ermittlung wichtiger Kennzahlen zur Beurteilung der Ertragslage von Unternehmen einfließen und andererseits oftmals in arbeitsvertraglichen Regelungen als Parameter für die Bemessung erfolgsabhängiger Vergütungen oder als Nebenabrede in Kreditverträgen (sog. financial covenants) verankert sind. Durch die Neuregelung verlieren unbereinigte Umsatzkennzahlen an Aussagekraft, da der unmittelbare Bezug zur gewöhnlichen Geschäftstätigkeit bzw. zu den vertraglichen Regelungen entfällt.

Weitere wesentliche Änderungen, hervorgerufen durch das BilRuG:

  • Verlagerung des gesonderten Ausweises außerordentlicher Erträge und Aufwendungen von der Gewinn- und Verlustrechnung in den Anhang. Ergänzende Verpflichtung zur Angabe und Erläuterung von Betrag und Art einzelner Geschäftsvorfälle von außerordentlicher Bedeutung im Anhang.
  • Wegfall des Postens „Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit“ in der Gewinn- und Verlustrechnung bei gleichzeitiger Einführung des „Ergebnisses nach Steuern“.
  • Aufwertung der Bedeutung des Anhangs durch die Einführung weiterer verpflichtender Angaben sowie durch die Verlagerung von Angabepflichten aus dem Lagebericht in den Anhang. Darüber hinaus wurde die Reihenfolge der Anhangssngaben gesetzlich geregelt; diese entspricht nun der Reihenfolge der einzelnen Posten der Bilanz und der Gewinn- und Verlustrechnung.

Mit unserem Expertenteam unterstützen wir Sie fachkundig bei der Umsetzung der gesetzlichen Vorgaben des BilRuG in der Finanzbuchhaltung bzw. im Jahresabschluss und stehen Ihnen für eine Durchsicht und Überprüfung von vertraglichen Regelungen, insbesondere vor dem Hintergrund der neugefassten Definition der Umsatzerlöse, gerne beratend zur Verfügung.

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